Wenn’s eilt – Rezeptpflichtiges direkt aus der Apotheke

Erstellt am 06.09.2021 - 9.51

Wenn’s eilt – Rezeptpflichtiges direkt aus der Apotheke



Astrea Apotheke 03.09.2021



Bei akuten Schmerzen, Hautausschlag, Durchfall oder Augenentzündung hilft die Apotheke als erste Anlaufstelle. Apothekerinnen und Apotheker können bei gängigen Erkrankungen selbst rezeptpflichtige Medikamente abgeben – eine schnelle Lösung bei Gesundheitsproblemen.



Manuela Kern, Schweizerischer Apothekerverband pharmaSuisse



Im Zuge der Revision des Heilmittelgesetzes, das Anfang 2019 in Kraft getreten ist, wurden verschiedene Medikamente der Abgabekategorie C (apothekenpflichtig) neu der rezeptpflichtigen Abgabekategorie B unterstellt respektive in die Kategorie D eingeteilt. Dies mit dem Ziel, den Zugang zu rezeptpflichtigen Medikamenten für häufig auftretende Krankheiten zu erleichtern und so Hausärztinnen und -ärzte wie auch die Notfallaufnahmen zu entlasten. Eine interdisziplinäre Expertengruppe des Bundesamts für Gesundheit hat dazu eine Auflistung von häufig auftretenden Krankheiten und/oder Lebenssituationen (sogenannte Indikationen) erarbeitet. Die Liste wurde kontinuierlich erweitert. Da Apothekerinnen und Apotheker aufgrund ihrer fünfjährigen universitären Ausbildung über die notwendigen Kenntnisse verfügen, hat ihnen der Gesetzgeber erweiterte Kompetenzen bei der Abgabe von Präparaten der Liste B, die vorher nur gegen ärztliches Rezept abgegeben werden durften, zugesprochen. Dabei handelt es sich vor allem um Medikamente gegen akute Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Augenerkrankungen, Hautprobleme, Allergien oder Atemwegserkrankungen.



Die vier Abgabekategorien für Medikamente



Medikamente werden in verschiedene Abgabeklassen unterteilt, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Unerwünschte Wirkungen, Wechselwirkungen der Inhaltsstoffe, Abhängigkeit oder Sucht sollen möglichst vermieden werden.



Abgabekategorien



Liste A: Enthält verschreibungspflichtige Medikamente, die in einer Arztpraxis oder mit einem Arztrezept einmalig in einer Apotheke bezogen werden. Das sind beispielsweise Antibiotika oder sehr starke Schmerzmittel.



Liste B: Dazu gehören verschreibungspflichtige Arzneimittel, die in einer Arztpraxis oder mit einem Rezept einmalig oder mehrmals in einer Apotheke bezogen werden. Es sind Medikamente, die meist über einen längeren Zeitraum eingenommen werden müssen, wie solche gegen hohen Blutdruck, Diabetes oder im Rahmen einer Hormontherapie. Einige davon können von Apothekerinnen und Apothekern nach einem Beratungsgespräch ohne Rezept oder als Notfallmedikation wie zum Beispiel die «Pille danach» abgegeben werden.



Liste D: Diese Produkte dürfen nach einer Beratung in der Apotheke oder der Drogerie direkt abgegeben werden. Zu ihnen gehören typischerweise Medikamente gegen Durchfall, leichte Schmerzmittel oder viele pflanzliche Arzneimittel.



Liste E: Umfasst alle Heilmittel, deren Abgabe auch ohne Beratung möglich ist. Diese sind auch im Detailhandel erhältlich wie zum Beispiel Hustenbonbons oder einige Teesorten.



Die Apothekerin kann nach einem umfassenden Beratungsgespräch rezeptpflichtige Medikamente direkt abgeben



Wann sollte man in die Apotheke kommen und wann besser zum Arzt oder zur Ärztin gehen?



Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, kann man grundsätzlich immer zuerst in die Apotheke kommen. Apotheken haben meist längere Öffnungszeiten als Arztpraxen und sie haben oft samstags offen, teilweise sogar sonntags. Gemeinsam mit dem Kunden klärt die Apothekerin ab, ob ein Arztbesuch nötig ist oder ob sie selbst weiterhelfen kann. Der Patient kommt so schneller zum passenden Medikament, Hausärztinnen und -ärzte sowie Notfallaufnahmen werden entlastet. Dieses Vorgehen eignet sich vor allem für Eilige, für Personen, die keinen Hausarzt oder keine Hausärztin haben oder eine hohe Krankenkassenfranchise gewählt haben.



Schnelle Lösungen aus der Apotheke



Die Apothekerin kann nach einem umfassenden Beratungsgespräch in einem diskreten Beratungsraum bestimmte, rezeptpflichtige Medikamente direkt abgeben. Diese können als «Abgabe ohne Rezept mit Abklärung», also ohne ärztliche Verschreibung, den Patientinnen und Patienten mitgegeben werden. Apothekerinnen und Apotheker prüfen in eigener Verantwortung und sind von Gesetzes wegen verpflichtet, die Abgabe detailliert zu dokumentieren. Der Patient erhält die Lösung für sein Gesundheitsproblem ohne Wartezeiten und Verzögerung.



Halsschmerzen oder Angina?



Ein 42-jähriger Patient leidet seit einem Tag an starken Hals- und Gliederschmerzen und fühlt sich schlecht. Sein Hausarzt ist in den Ferien und darum sucht er Rat in einer Apotheke.



Unterstützt durch Triagefragebogen und passende Untersuchungstools (Algorithmen) klärt der Apotheker mit dem Patienten zusammen ab, ob es sich bei diesen Schmerzen um eine Angina oder nur um einen viralen Infekt handelt.



Der Apotheker bittet den Patienten in einen separaten Beratungsraum, wo sie niemand stört. Der Apotheker beginnt mit einer gesundheitlichen Bestandesaufnahme (Anamnese) und stellt dem Mann diverse Fragen zu seinem Zustand. Sämtliche Antworten des Patienten werden vom Apotheker aufgeschrieben. Unterstützt durch Triagefragebogen und passende Untersuchungstools (Algorithmen) klärt der Apotheker mit dem Patienten zusammen ab, ob es sich bei diesen Schmerzen um eine Angina oder nur um einen viralen Infekt handelt. Diagnose: Der Patient leidet an einem viralen Infekt und braucht daher keine Antibiotikatherapie wie bei einer Angina. Mit der Therapie kann sofort begonnen werden. Dafür bekommt der Patient Schmerzmittel, das er für zwei bis drei Tage einnehmen soll. Zusätzlich zur Unterstützung empfiehlt ihm der Apotheker, mit Salzwasser oder Tee täglich zu gurgeln. Auch Halsspray und Lutschpastillen können zur Befeuchtung und Symptomlinderung zusätzliche angewendet werden, aber vor allem ist es wichtig, viel zu trinken. Sie vereinbaren, dass der Patient sich nach fünf Tagen wieder in der Apotheke für eine Kontrolle meldet. Bei der Kontrolle geht es dem Kunden deutlich besser und er hat kaum noch Halsschmerzen.



Hier kann Ihnen die Apothekerin/ der Apotheker weiterhelfen



Akute Schmerzen Allergien (Schnupfen, Augen)



Atemwegserkrankungen (Schnupfen, Husten etc.)



Einschlafstörungen



Hauterkrankungen



Kreislaufstörungen



Magen-Darm-Erkrankungen (Übelkeit, Erbrechen, saures Aufstossen, Durchfall, Verstopfung etc.)



Migräne



Notfallkontrazeption «Pille danach»



Raucherentwöhnung



Reisekrankheiten



Übergewicht



Infektionen (Blasenentzündung, Vaginalpilz etc.)



Vitamin- und Mineralienmangel



Krankenkassenmodell ohne Wartezeit



Es gibt Krankenkassenmodelle, bei denen Apotheken die erste Anlaufstelle für Gesundheitsfragen sind. Bei Problemen sucht die versicherte Person ohne Terminvereinbarung für die Erstversorgung eine Apotheke auf. Viele gesundheitliche Probleme lassen sich bereits in der Apotheke lösen. Lästige Wartezeiten sind so vermeidbar. Bei komplizierten Fällen wird die Person durch die Apotheke an den Hausarzt oder die Hausärztin, einen Spezialisten oder eine Spezialistin oder ins Spital weiterverwiesen. Häufig arbeiten Apotheken ausserdem mit Telmed und Gesundheitszentren zusammen, die von der Apotheke aus kontaktiert werden können. Die Kosten sind in erster Linie abhängig vom Krankenkassenmodell. Ohne entsprechendes Apotheken-Versicherungsmodell bezahlen die Versicherten die Kosten in der Regel selbst, erhalten dafür aber direkt und unkompliziert Hilfe bei Beschwerden.

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